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Die LÂG Story: ROCK CHIC

Es gibt so viele Vorurteile. Eins besagt, dass exklusive E-Gitarren nur aus USA kommen können. Falsch. Schon seit 25 Jahren werden auch in Süd-Frankreich erstklassige Instrumente gefertigt: Der Name Lâg steht seit  Anfangder 80er Jahre für hochwertige Gitarren aus außergewöhnlichen, schönen Hölzern. Lâg-Guitars sind in Bédarieux, in der Nähe von Montpellier, zu Hause.

Michel Lâg, Gründer und Mastermind des französischen Instrumentenbauers, hat Lâg in Südfrankreich gegründet, zu Erfolg und Ansehen gebracht, seine Firma aber auch mit viel persönlichem Einsatz trotz aller Rückschläge immer wieder vor dem Untergang bewahrt. Seit 2002, als Gerard Garnier, Inhaber der französischen Vertriebsunternehmen Algam und Camac (die fast alle wichtigen Produkte in Frankreich vertreten) als Lebensretter die Firma übernahm, geht es rapide bergauf. Michel, mittlerweile General Manager, leitet die Produktion der französischen Custom-Shop-Produktion, designed alle Lâg-Instrumente, koordiniert und kontrolliert die Produktion der seit einiger Zeit in China gebauten Serien-Gitarren, und ist für den Einkauf der wichtigen Hölzer für Fernost und Frankreich zuständig – eine Sache, in der er mit Herz und Seele aufgeht und für die nur die schönsten und besten Stücke aufkauft.

Lag oder Lâg

Wer diese französischen Gitarrenmarke schon länger beobachtet, dem wird aufgefallen sein, dass in der Zwischenzeit aus dem ursprünglichen „Lag“ nun „Lâg“ geworden ist. Die erste Werkstatt lag in der Rue Lâganne, der Name Lâg stammt von einer Burg in der Nähe von Toulouse; dort war die Religion Cathare verbreitet, die in der Region Occitania, dem im Mittelalter Bordeaux, Katalanien und das Piemont angehörten, zu Hause war. Lâg ist ein gut klingender Name, aber wie so viele Unternehmer in den 80ern, wollte auch Michel seiner Firma einen internationalen Charakter geben, und so ließ er den Akzent einfachunter den Tisch fallen. Gerard Garnier, ist Franzose durch und durch. Ich habe mit ihm zusammen 1998 in einer Hotellobby in Nashville während einer NAMM-Show das WM-Endspiel Brasilien gegen Frankreich gesehen, dass die Franzosen 3:0 gewannen. Gerard hatte gewonnen! Er reanimierte auch das ursprüngliche Logo wieder, mit dem kleinen Dach auf dem a: Lâg! Das gleiche gilt für das Friedens-Symbol des Cathare, La Croix du Languedoc, dass Michel schon immer in seinem Schriftverkehr verwandte, das aber nun auf jedem Instrument zu finden ist. Back to the roots, wie der Franzose sagt.

historie

Michel Lâg war ursprünglich Musiker, Gitarrist und Sänger der Band Madrigal aus Toulouse. Als 1977 sein Großvater starb, hinterließ er Michel eine wunderschöne Werkstatt, in der vorher Lederwaren hergestellt worden waren. Spontan entschloss sich der Erbe mit seinem Freund Daniel, einem Violinisten, der gerade bei einem Geigenbauer in England in die Geheimnisse dieses klassischen Instrumentes eingeweiht worden war, dort eine Werkstatt für Reparaturen zu eröffnen: Daniel für die Geigen, Michel für die Gitarren. Bis 1980 hielten sich die beiden damit über Wasser, dann entstanden auch die ersten eigenen Gitarrenmodelle, zuerst aus vorhandenen Teilen zusammengesetzt, bald aber schon mit eigenen Designs. Weil der Kundenkreis aber immer weiter auseinanderdriftete, da die vornehmen Musiker von der Oper Toulouse, dort die langhaarigen Rock-Musiker, trennte man sich und Michel arbeitete alleine weiter.

1982 wurde zum Wendepunkt. Einige Freunde aus seiner Band kamen als Aushilfen in die Werkstatt – und blieben. Der Psychologe Fred Garcia, den Michel bei den Schwangerschaftskursen seiner Frau kennenlernt, schmeißt seinen ursprünglichen Job und steigt kurz entschlossen bei ihm ein und sie gründen die Firma Lâg. Man zieht um in eine größere Werkstatt, wo jetzt schon vier Leute arbeiten und Custom-Shop- Instrumente bauen; nicht mehr als drei bis vier im Monat.Als Michel dann kurz darauf bei einer Clinic den berühmten französischen Gitarristen Marcel Dadi kennenlernt (der ja leider 1996 bei dem tragischen Absturz der TWAMaschine  bei New York ums Leben kam), ordert dieser spontan für sein Musikgeschäft in Paris zehn Lâg-Instrumente. Die Gitarren sorgten in der Hauptstadt für großes Aufsehen, es folgten erste Berichte in Magazinen und so wurde aus einer kleinen Werkstatt plötzlich ein Herstellungsbetrieb. Die Firma wuchs, und schon im ersten Jahr buchte Lâg einen Stand auf der Musikmesse in Frankfurt, wo man bis 1999 ununterbrochen ausstellte, und jetzt, nach ein paar Jahren Pause, auch wieder vertreten ist. Export und Vertrieb lagen, bis auf einige Ausnahmen in den Anfangsjahren, immer in den eigenen Händen, und man konnte die Produktion auf 60 bis 80 Instrumente pro Monat hochschrauben. 1993 gab sich die Gelegenheit, aus Toulouse 200 km weiter nach Bédarieux umzuziehen,weil dort nach dem Stilllegen von Silberminen staatliche Förderungsmaßnahmen Hilfe in Aussicht stellten. Sein langjähriger Partner Fred wollte in seiner Heimat bleiben und verließ die Firma; 1995 trennte sich Michel Chavarria dann auch von seinem langjährigen Mitarbeiter Bruno Bianchi, der für ihnden Vertrieb organisiert hatte. Music Connection, eine französische Vertriebsfirma, stieg bei Lâg mit ein, und bis 2002 wurde dann auch der Export weitergesteigert. Aber auch Music Connection war nicht von Glück begleitet, und der Konkurs dieser Firma hätte Lâg fast das Genick gebrochen.

Zum Glück aber war der bereits genannte Gerard Garnier zu Stelle, der gerade den Vertrieb von Gibson in Frankreich abgegeben hatte, und Lâg übernahm. Zunächst mehr aus Sympathie, denn er wollte verhindern, dass dieses französische Produkt stirbt. Und so wurde 2002, nach 20 Jahren, ein neuer Anfang gemacht. Mittlerweile ist Gerard Feuer und Flamme für Lâg und er versucht mit allen Mitteln und aller Kraft, diese Marke zu fördern.

produktion

Holz ist der wichtigste Bestandteil einer E-Gitarre. Aber nur gut gelagertes und getrocknetes Holz bildet eine Basis für edle Instrumente. Michel: „Wir kaufen das Holz, afrikanisches Mahagoni für die Bodies und kanadisches Ahorn für die Hälse, fast immer in ganzen Baumstämmen, wir sägen es in kleine Stücke, dann lassen wir diese ein paar Wochen im Workshop ruhen und erst danach werden sie auf die richtige Größe geschnitten. Danach lassen wir das Holz solange liegen wie eben möglich, aber mindestens ein Jahr. Wir haben sehr heiße und trockene Sommer hier, deswegen arbeiten wir oft mit geöffneten Türen, so dass das Holz noch besser trocknen kann. Es hat zunächst einen Feuchtigkeitsgehalt von 15 %, nach einem Jahr nur noch 11 %, danachgeht’s für einen Monat in einen Trockenraum, der noch mal die Feuchtigkeit auf 6 % reduziert, und danach wieder in den Workshop, damit das Holz sich stabilisieren kann. Die Hälse lassen wir noch länger, insgesamt acht Wochen im Workshop ruhen. Und zwischen jedem Arbeitsschritt gönnen wir ihnen nochmals Pausen, damit sie sich setzen können. Wir bieten ja eine lebenslange Garantie, und da darf nichts passieren. Es darf sich nicht verdrehen order vertwisten.“ Alle Hälse werden deswegen mit zwei  zusätzlichen Titanium- Schienen verstärkt, die rechts und links neben dem beidseitig justierbaren Stahlstab eingesetzt sind. Bei den chinesischen Instrumenten gibt es diese Verstärkung auch, dort verwendet man aber nicht das teuere Edelmetall sondern Palisander-Stücke. Eine Lâg-Erfindung ist die zusätzliche Arretierung der Hals-Korpus-Verbindung bei geschraubten Hälsen: Eine kleine Titanium-Schiene im Halsfuß greift in eine in der Halstasche gefräste Nut. Der Hals kann sich nicht mehr seitlich bewegen. Auch diese Spezialität wird in der chinesischen Produktion übernommen, und auch da mit Palisander-Streifen. Auch eine kleine Produktion, wie die in Südfrankreich, kommt heute nicht mehr ohne CNC-Fräse aus, die viele Schritte inder Produktion übernimmt und so für eine ungeheuere Präzision sorgt.

Trotzdem, oder vielleicht auch deswegen, kann jeder der Mitarbeiter im Workshop jeden Arbeitsschritt ausführen, und quasi selbständig ein Instrument herstellen. Dennoch hat jeder seine ganz besondere Qualifikation: Olivier ist der Spezialist für Hälse. So erhalten die vorgefertigten Halsrohlinge per Hand in mehreren Arbeitsschritten das endgültige (leicht asymmetrische) Profil, jeder Hals istsomit individuell und doch unglaublich exakt. Guillaume ist die rechte Hand von Michel. Er kümmert sich um die Lagerung der Hölzer, überwacht die Produktion, kann bei jedem Arbeitsschritt aushelfen und übernimmt auch die Qualitätskontrolle, wenn Michel mal wieder in China weilt. Und auch dort muss Guillaume nun auch ab und zu den Chef vertreten.Sebastian ist der Spezialist für Lackierungen. Lâg verwendet Polyurethan-Lacke, die von einem deutschen Hersteller, bei dem auch Mercedes und Audi kaufen, geliefert werden. Jedes Instrument erhält nach dem Füllen der Poren bis zu fünf hauchdünne Lackschichten, die Sebastian in der TemperaturkontrolliertenKabine per Hand aufträgt. Zwischen den einzelnen Schichten müssen die Instrumente ruhen, damit die Lacke genügend aushärten können. Nach der letztenLackschicht werden die Instrumente kurzfristig auf ungefähr 45 Grad Celsius erwärmt, danach ruhen sie nochmals ca. zehn Tage im Workshop, bevor der Spezialist Eric mit dem endgültigen Schleifen und Polieren beginnen kann. Das gesamte Innenleben der Lâg-Instrumente wird mit Graphit-Lack beschichtet,die einzelnen Teile werden mit Kabel miteinander verbunden, damit die Abschirmung auch wirklich funktioniert. In der Endkontrolle ist Madame Michelle die letzte Instanz, die alle Instrumente überprüft und sowohl mit Tageslicht als auch mit künstlichem Licht alle Details checkt, bevor sie dann Pickups und Schaltung, Hardware und Saiten montiert. Zu guter Letzt übernimmt David das endgültige Setup: Jedes Instrument wird gespielt und getestet, um danach nochmals eine Woche in der Werkstatt zu ruhen, bevor es dann, nach dem allerletzten Check von Guillaume oder Michel, seine „Papiere“ erhält.

Die seit dem 01. Juli 2006 gültige R.O.H.S.-Norm hat auch vor Gitarrenherstellern nicht halt gemacht. Nicht nur dass man jetzt bleifrei löten muss, auch alle Zuliefe- rer müssen nun gewährleisten, dass ihre Produkte den neuen Richtlinien entsprechen. Eine unglaublich bürokratische und aufwändige Vorbereitung war notwendig, um von den Lieferanten wie Gotoh, Schaller und Wilkinson, DiMarzio, Seymour Duncan und EMG die nötigen Unterlagen zu beschaffen, die nachweisen, dass keine Schadstoffe in ihren Produkten enthalten sind. Michel pflegte schon von Anfang an einen guten Kontakt mit seinen Lieferanten. Seymour Duncan lernte er bereits 1981beim Besuch der Frankfurter Messe kennen, als er freundlich um zehn Pickups nachfragte und Seymour nur antwortete: „Du bist Gitarrenbauer? Cool! Du brauchst Pickups? Cool! Ich schicke dir welche.“ Cool! Mit Rob Turner von EMG und Larry DiMarzio ist Michel ebenfalls gut befreundet, außerdem teilt er sein Hobby mit ihnen: Alle drei sind leidenschaftliche Fotografen. Natürlich ist die Zusammenarbeit in der letzten Zeit intensiviert worden, schließlich werden auch die chinesischen Instrumente ausschließlich mit Pickups aus den USA bestückt, und da kommen dann für alle auf einmal doch sehr interessante Stückzahlen zustande. Das wiederum hilft, wenn man dann mal Sonderwünsche bei Bestellungen für den französischen Workshop hat. Für das 25 Anniversary Modell Roxane z. B. brauchte man bei Lâg mattierte Pickup-Kappen mit speziell vergoldeten Pole-Pieces. Kein Problem. Alle Metallteile sollen mit einem speziellen Antique-Gold-Finish versehen werden. Ein großes Problem, denn Gotoh ist der exklusive Hersteller dieser Beschichtung, produziert aber nicht alle Teile, die Lâg benötigt .... Letztendlich aber dann doch kein Problem, denn Gotoh willigte ein, eine Sonderproduktion zu fertigen, und außerdem weitere benötigte Teilewie z. B. alle Schrauben, Toggle-Switch, Pickup-Rähmchen, die Lâg anfertigen ließ, zu beschichten. Langfristige Freundschaften zahlen sich also doch aus.

Dieser Auszug erscheint mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Ein Bericht von Dieter Roesberg. Chefredakteur Gitarre&Bass
Fotos: Dieter Roesberg. Der Bericht ist erschienen in der Ausgabe 12/06 der Gitarre&Bass.

heute

In Bédarieux arbeiten heute elf Mitarbeiter, die in dem kleinen Lâg-Workshop mit 550 qm Custom Bedarieux und Signature Modelle herstellen. Außerdem werden hier alle Prototypen und Farbmuster für die chinesische Produktion hergestellt, was mehr und mehr Zeit in Anspruch nimmt. Denn es werden nicht nur E-Gitarren, sondern auch akustische Instrumente in China gefertigt. Langfristig hat man auch vor, in Frankreich hochpreisige Akustik-Modelle zu fertigen – aber das ist noch Zukunftsmusik. Viel wichtiger ist es im Moment, die Produktion in China (z. Z. werden dort ca. 100.000 Instrumente pro Jahr gefertigt) auszuweiten, um der immer größer werdenden Nachfrage gerecht zu werden. Lâg arbeitet mit zwei Fabriken zusammen, die zum Glück in der selben Stadt sind. An der Fabrik für akustische Instrumente ist Lâg (Algam) mittlerweilebeteiligt, und auch der E-Gitarren-Hersteller wird demnächst eine eigene, exklusive Halle nur für Lâg-Instrumente beziehen. Nach einigen schlechten Erfahrungen der Anfangszeit, hat sich Lâg mittlerweile alle Details der eigenen Instrumente patentieren lassen, und immer noch fahren Michel oder Guillaume zur Endabnahme in die Fabriken, bevor die Container verpackt werden. Aber auch das wird sich nun ändern, da Lâg den jungen Chinesen Andy eingestellt hat, der nicht nur fließend English spricht, Gitarrist, Bassist und Computer-Experte ist, sondern auch noch vor Ort wohnt und nun die tägliche Kontrolle der Fabriken übernehmen wird. Michel: „ Wir wollen die Qualität hochbringen! Aber immer noch sind wir mit kleinen Details unzufrieden. Andere namhafte Hersteller kümmern sich meiner Meinung nach nicht genügend darum, doch sie haben einen guten Name und darüber verkaufen sie. Wir können uns das nicht erlauben: Wir haben keine andere Wahl, wir müssen 100% perfekt sein, und das bei einem guten eventuell noch niedrigeren Verkaufspreis. Das haben die Chinesen anfangs nicht verstanden. Aber sie lernen. Außerdem wollen wir den Spirit von unserer Werkstatt in Bédarieux nach China bringen “ Zwei Lâg-E-Gitarrenserien werden zur Zeit produziert: Imperator und Arkane. Die akustischen Gitarren werden durch die Tramontane Serie repräsentiert, die mit Modellen wie Dreadnought, Jumbo, Auditorium und Nylon keine Wünsche offen lässt. Nicht zu vergessen sind die sehr erfolgreichen Ukulelenmodelle, die auch vom Einsteiger bis zum Ukulelenprofi alle Musiker bedienen können.